Julius Meier-Graefe | Ausstellung 10.6.-16.7.17
05 Nov - 21 Jan

Ausstellung ausserhalb

»Samizdat« im GULAG. Eine schwarze Literaturgeschichte

 

Die Ausstellung ist eine Gemeinschaftsproduktion des Literaturhauses Berlin mit MEMORIAL Moskau

Präsentation in Bremen in Kooperation mit dem Haus der Wissenschaft

Öffnungszeiten:
5.11.2016 - 14.1.2017, Mo - Fr  10 - 19 Uhr, Sa  10 - 14 Uhr


 

In den großen literarischen Werken, die Alexander Solschenizyn, Jewgenija Ginsburg und Warlam Schalamow nach ihrer Lagerzeit über den GULAG verfaßten, finden sich bemerkenswert viele Erinnerungen daran, wie in den Gefängnissen und dann in den extremen Verhältnissen der Lager die Rückbesinnung auf Gedichte, auf lange Poeme und ganze Romane für einige der unschuldig Verhafteten und Deportieren der letzte Überlebenshalt wurde. Vor allem beim stummen oder weitergebenden Vortragen von Lyrik ergaben sich kurze Momente individueller Freiheit, die resistent machten gegenüber den grausamen Quälereien. Manchen Häftlingen gelang es sogar - mit weitgehend konspirativ besorgten Utensilien -, wissenschaftliche Abhandlungen, Gedichte, kurze Erzählungen aufzuschreiben und Geschichten kunstvoll zu illustrieren.

 

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Im Archiv von MEMORIAL Moskau wurden diese »Samizdats«, die »selbstverfertigten Niederschriften« aus dem GULAG und aus der Verbannung aufbewahrt, darunter Bände mit fragilen Zigarettenpapier-Seiten, ein schmales Album mit einem Birkenrinden-Umschlag, daumennagelgroße Gebetbücher, Gedichtbände, Übersetzungen, illustrierte Märchen für Kinder und handgeschriebene Lehrbücher. Aber auch eine geradezu freizügige, aufwendig colorierte Fassung von Voltaires »Die Jungfrau von Orleans« und das Tagebuch eines Lageraufsehers, das dessen allmähliche Erkenntnis widerspiegelt, einem totalitären Willkürsystem zu dienen. Außerhalb Rußlands war die Existenz dieser Sammlungsstücke bislang kaum bekannt. 

Von dieser »schwarzen Literaturgeschichte« der Sowjetzeit und von signifikanten Etappen der repressiven stalinistischen Literaturpolitik erzählt die Ausstellung »Samizdat« im GULAG. Einige Tonbeiträge sowie ausgewählte Dokumentarfilme ergänzen die Darbietung.

Die neu erarbeitete Begleitbroschüre enthält zahlreiche Abbildungen und dokumentiert die Entstehensumstände einiger der im GULAG angefertigten Niederschriften und informiert, soweit möglich, über die Verfasserbiographien, die von MEMORIAL Moskau aufwendig recherchiert wurden: in der Ausstellung erhältlich.

 

- Text zur Ausstellung (Museumsjournal 4/2015): Ansicht/Download

- Bildmaterial zur Austellung: Ansicht/Download

 

Für die Förderung des Projekts danken wir dem Hauptstadtkulturfonds und der Bundesstiftung Aufarbeitung sowie der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur, der Heinrich-Böll-Stiftung und der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde.

 

 

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         BL3 WM 4c                   DGO 20x12cm 300dpi RGB         Haus der Wissenschaft

 

Eintritt: frei