Julius Meier-Graefe | Ausstellung 10.6.-16.7.17
16 Mär  Donnerstag
20:00 h Großer Saal

Heinrich Gerlach: Odyssee in Rot

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Heinrich Gerlach war aber auch Gründungsmitglied des Bundes Deutscher Offiziere (BDO), eines Verbands kriegsgefangener Wehrmachtsoffiziere, die ab 1943 aus der Gefangenschaft deutsche Soldaten zur Desertion und zum Kampf gegen Hitler aufriefen – in aufgezwungener Zusammenarbeit mit Exilkommunisten wie Wilhelm Pieck, Walter Ulbricht oder Erich Weinert. 1944 wurde in Nazi-Deutschland in Abwesenheit gegen Gerlach ein Verfahren wegen Hochverrats eingeleitet, seine Familie kam in Sippenhaft.

In seinem materialreichen Nachwort liefert Herausgeber Carsten Gansel zu Gerlachs Bericht Hintergrundmaterial aus russischen Archiven – etwa zu den Plänen, die die sowjetische Führung für die BDO-Mitglieder im Nachkriegsdeutschland hatte; Gansel skizziert die Versuche des Geheimdienstes, Heinrich Gerlach und andere Führungsmitglieder zu Agenten zu machen – und wertet erstmalig die Nachkriegstagebücher Gerlachs aus, die dieser von 1951 bis 1991 führte. So rekonstruiert er den Entstehungsprozess der »Odyssee in Rot« und erzählt, wie die BDOler, die nach dem Krieg in den Westen gingen, keinesfalls als Widerstandshelden gefeiert wurden, sondern sich gegen die Brandmarkung als Kommunistenfreunde und Verräter wehren mußten.

Carsten Gansel spricht mit Jörg Baberowski über Heinrich Gerlach und sein Buch. Frank Arnold liest aus »Odyssee in Rot«.
Eintritt: 5,- / 3,- €