Stefan Zweigs "Schachnovelle" | Ausstellung. Ab 27. Juli 2017
08 Feb  Mittwoch
20:00 h Großer Saal

Thomas Medicus: Verhängnisvoller Wandel. Ansichten aus der Provinz 1933–1949: Die Fotosammlung Biella

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Die völkische Radikalisierung Deutschlands vollzog sich in den 1920er und 1930er Jahren fern der großstädtischen Zentren: Die Machtbasis der NSDAP war die Provinz. Ein solch provinzieller Ort ist Gunzenhausen in Mittelfranken, in dem es bereits 1934 zu einem Pogrom kam, an dem sich große Teile der Bevölkerung beteiligten und bei dem zwei jüdische Männer ums Leben kamen.
Im Jahr 2003 gab es in Gunzenhausen einen spektakulären Fund: Bei einer Wohnungsauflösung wurden zahlreiche Fotografien des ortsansässigen Fotostudios Biella entdeckt. Diese insgesamt etwa 2500 Fotografien bieten das erschreckende Fotorama der gewaltsamen Machtetablierung der NSDAP auf lokaler Ebene. Ebenso sind auf den Aufnahmen die Formierung und der Zerfall der lokalen »Volksgemeinschaft« in den Jahren 1933 bis 1949 zu erkennen.
Zahllose »Volksgenossen« in Parteiuniform machen die Selbstmobilisierung derjenigen sichtbar, die nach 1945 nichts gewusst haben wollten. Dass »Volksgemeinschaft« Gewalt gegen andere bedeutete, dokumentieren knapp hundert Porträts einer »Judenkartei« wie auch die Porträtaufnahmen deportierter Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter. Nach Kriegsende blickten dann die zum Zweck der Entnazifizierung polizeilich erfaßten lokalen Nazis in die Kamera des Ateliers Curt Biella, das einer Fotografenfamilie gehörte, die immer auf der »richtigen« Seite stand.

Unter der Herausgeberschaft von Thomas Medicus, der sich schon in seinem Buch »Heimat. Eine Suche« (2014) mit dem Pogrom in Gunzenhausen auseinandergesetzt hat, haben mehrere Autorinnen und Autoren die gut 280 Fotos dieses Buches kommentiert und auf ihre zeitgeschichtliche Aussagekraft hin analysiert. Thomas Medicus stellt sein Buch »Verhängnisvoller Wandel. Ansichten aus der Provinz 1933–1949: Die Fotosammlung Biella« (Hamburger Edition) zusammen mit der Autorin Karin Wieland vor.

Einführung und Gespräch: Michael Wildt

Eintritt: 5,- / 3,- €

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